Diese Woche möchte ich Euch gerne ein Schnittmuster vorstellen, welches Du im Internet so nicht finden wirst. Keine Werbung, keine Probenähen, einfach nur pure Inspiration für Liebhaber der Fifties-Mode.

Ich mag nicht nur den Stil der Fünfzigerjahre sehr gerne, ich sammle auch alte Nähmagazine und Schnittmuster aus dieser Zeit. Diesem „Nebenhobby“ fröhne ich nun seit etwa einem Jahr und in dieser Zeit konnte ich schon den ein oder anderen nähbaren Vintageschnitt ergattern. So wie auch diesen, den ich heute vorstellen möchte.

Ein Vintagekleid  zum Warten auf den Bus

Heute stelle ich Euch dieses elegante Winterkleid aus dem Günther Modeblatt 10/1956 vor. Es ist kein Titelmodell und befindet sich auf Seite 61, zusammen mit einem anderen Kleid und einer tollen Werbung für Triumph BHs. In dem Heft gibt es bereits einige schwarz-weiße oder nachcolorierte Fotografien, dieses Schnittmuster kommt aber nur als Zeichnung.


So lässt es sich auf den Bus warten: Ein besonders süßes Detail ist die gezeichnete Bushaltestelle im Hintergrund bei der Rückansicht des Kleides.

Kleine Anmerkung zu Triumph „Plastellina“: Ein schönes Kleid sieht nur mit dem richtigen „Darunter“ gut aus. Den „Plastellina“-Longline BH gibt es leider nicht mehr zu kaufen, er wurde von Triumph nicht wieder aufgelegt. Kein Wunder – Im Moment sind ja eher superweiche, bügelfreie Bralettes angesagt. Mehr braucht es unter den aktuell angesagten Oversize-Oberteilen ja auch nicht. Mir können diese labbrigen Bralettes gestohlen bleiben, ich brauche „richtige“ Unterwäsche, die eng ist, das kaputte Bindegewebe hält und den Kleidern darüber eine schöne Form gibt. So sah der „Plastellina“ übrigens in echt aus.

Größe 46 = Größe 42 ?

Wie damals in den Nähzeitschriften so üblich, kommt dieser Schnitt in nur einer Größe: 46. Ich dachte lange Zeit, in den Fifties hätte jede Hausfrau das Skalieren von Schnitten beherrscht, wie ich es auch in meinen Nähtipps für Vintage-Schnitte beschrieben habe. Eine Leserin meines Blogs schrieb mir jedoch, ihre Mutter habe damals immer nur die Schnitte aus den Nähzeitschriften genäht, die in ihrer Größe kamen und die anderen eben nicht. Vielleicht habe ich die Nähskills der Hausfrau von früher auch überschätzt.

Jedenfalls kommt dieses Kleid in Größe 46. Das klingt erstmal ziemlich groß, dafür das das Model auf der Zeichnung so dünn ist, oder?
Die Größe 46 von damals entspricht allerdings keinesfalls der 46 von heute. Günther’s Modeblatt bringt keine Größen- oder Maßtabelle mit. Außer den Konfektionsgrößen an den Schnitten gibt es keinerlei Orientierung, welche Größe einem passen könnte. Daher habe ich mir mit der Größentabelle aus „Beyers Handarbeit und Wäsche“ von 1955 beholfen, welche die Maße und Größen in dieser Zeit ganz gut wiederspiegelt:

Verglichen mit der heutigen internationalen Größentabelle ist es obenrum eine 42 und um die Hüfte herum eine 48.

Nachgemessen: Welche Größe ist es wirklich?

Da ich den Schnitt selbst auch nähen möchte, habe ich mich daran gewagt und ihn angepaust und ausgemessen. Ich rechnete fest damit, den Schnitt mindestens 3 Größen kleiner skalieren zu müssen. Orientiert man sich an der Tabelle von damals, bräuchte ich eine 42.

Beim Ausmessen fiel mir allerdings dann auf, dass die Größentabelle von Beyer’s und dem Günther Modeblatt wohl nicht übereinstimmen. Als ich danach gegoogelt habe, entdeckte ich dann  diese schöne Übersicht von Maßtabellen von den 1930ern in „Beswingtes Allerlei“, einem meiner liebsten Nähblogs.

Die fertigen Maße des Schnitts passen ungefähr einer Oberweite von 102-104cm und haben eine Taillenweite von ca 80cm. Der Rock ist ja dank Falten hinten und vorne weit genug um einem breiten Größenspektrum zu passen. Tatsächlich schätze ich also, dass die Größe des Kleids einer heutigen 40 eher entspricht.

Der Schnitt:

Das Kleid selbst besticht vor allem durch den in Falten gelegten Schalkragen, der zu der doppelreihigen Knopfleiste ziemlich elegant und besonders aussieht. Am Rückenteil ist das Oberteil mit Abnähern auf Figur gebracht, auch vorne finden sich links und rechts von der Knopfleiste zwei Abnäher.

Die Ärmel sind sehr weit geschnitten und werden eingehalten eingesetzt, d.h. ohne Raffung im Schulterbereich. Die Ärmel selbst haben eine ¾ Länge, wie sie damals sehr angesagt war. Ich gehe mal davon aus, damit die schönen Handschuhe, die man dazu trug, auch gut zur Geltung kommen.

Der Rockteil wird hinten zu einer großen Kellerfalte gelegt. Damit diese bei dickem Stoff nicht so aufträgt, wird der Innere Teil am Bund schon im Schnitt „ausgeschnitten“ und dann dann zugenäht. Vorne am Rock werden zwei kleine Falten auf Höhe der Abnäher gelegt.

Der Stoff

„Schöne Stoffe kommen hier gut zur Geltung“, sagt der Text im Magazin und so wird es wohl sein.  Eine Stoffempfehlung für dieses Kleid gibt es im Magazin nicht.

Zur Nähanleitung:

Wie so oft in den alten Nähmagazinen ist die Anleitung auch hier eher spärlich. Abnäher, Knopfleiste und Falten werden nicht erklärt, das sind wohl die Basics, die man beherrschen muss, um dieses Kleid zu nähen.

Auch alle Tätigkeiten rund um das Füttern des Kleids und dem Versäubern der Nahtzugaben werden nicht weiter erwähnt. Im Text unter dem Bild wird lediglich erwähnt, dass ein „schmaler Futterrock“ eingenäht ist.

Sew you soon – In meinem Näh-Sew-Along zu diesem Kleid

Wie bereits erwähnt möchte ich diesen Schnitt nicht nur hier vorstellen, sondern auch tatsächlich nähen. Freut Euch also auf einen Sew-Along Post in den nächsten Wochen. Dort werde ich dann die Nähanleitung nochmal genau unter die Lupe nehmen und einem Machbarkeitstest unterziehen.

Werde ich es schaffen das Kleid zu nähen? Und wie sieht es in „echt“ aus? Das erfahrt ihr demnächst hier auf dem Blog.

Bis dahin
Eure Lasercat

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