Spätestens seit dem Korsagenkleid für Betty Sue kann ich von Hawaii-Prints gar nicht mehr genug kriegen! Für mich selbst wollte ich aber eher ein komfortables Kleid, ohne Korsage und Reißverschluss, dafür mit breiten Trägern und Taschen. Gefunden und genäht habe ich dieses tolle Schnittmuster, das irgendwie vintage aussieht, aber nicht vintage ist.

Kleid selber nähen aus Blumenstoff

Heute stelle ich Euch nicht einfach nur mein neustes Nähprojekt vor. Ich habe auch die Ehre, den heutigen #MeMadeMittwoch zu modieren. Mit diesem selbstgenähten Kleid bin ich heute zu Gast auf dem MeMadeMittwoch Blog. Ich freue mich wahnsinnig über diese Chance, der MeMade-Mittwoch ist einer meiner absoluten Lieblingsblogs, das ich schon seit vielen Jahren lese und außerdem mein liebstes Nähblogger-Event jeden Monat.

Was ist der #MeMadeMittwoch?

Erst einmal ist es ein Blog. Dort findet immer am ersten Mittwoch im Monat DER MeMade-Mittwoch statt, ein Event bei dem Nähblogger aus dem deutschsprachigen Raum ihre selbstgenähte Kleidung vorstellen dürfen. Die genähten Sachen werden dann in einer Linkparty präsentiert. Präsentiert und moderiert wird das Event jeden Monat von einer anderen Bloggerin. Mitmachen kann jede/r, der ein Kleidungsstück für Erwachsene genäht und auf seinem Blog vorgestellt hat. Vorraussetzung ist lediglich, dass der eigene Beitrag ebenfalls am ersten Mittwoch im Monat erschienen ist.

Ich liebe dieses Event und selbst wenn ich es mal nicht geschafft habe, zum ersten Mittwoch etwas fertig zu nähen, scrolle ich gerne durch die Kreationen der anderen Teilnehmer. Dadurch habe ich schon viele coole Nähblogs von anderen Hobbyschneiderinnen entdeckt, die mich inspiriert und begeistert haben und denen ich bis heute noch gerne folge.

Hier geht’s zu meinem Beitrag zum MeMadeMittwoch

Wie finde ich das Schnittmuster für das perfekte Sommerkleid?

Hast Du auch schonmal so eine grobe Idee für ein Kleid im Kopf, aber absolut noch keine Idee, wie der Schnitt aussehen könnte? So ging es mir auch bei diesem Kleid. Ich hätte mir noch nicht einmal einen Schnitt selbst entwerfen können, da es mir an Ideen für die Details gefehlt hat. Manchmal ist halt sogar bei mir einfach mal Kreativpause im Kopf.

Also habe ich Pinterest angeworfen und ein bisschen recherchiert. Immerhin hatte ich schonmal ein paar Eckpunkte für die Suche:

  • Es sollte auf jeden Fall einen Bleistiftrock haben. Nachdem ich letzten Herbst schon einen solchen, figurnah geschnittenen Rock (Link) genäht hatte, gefällt mir diese Form wahnsinnig gut und ich habe bislang tatsächlich noch kein Kleid mit schmalem Rock besessen.
  • Kein Neckholder oder schulterfreies Oberteil! Ich wollte auf jeden Fall ein Kleid, das man auch mit einem normalen BH drunter tragen kann
  • Taillier und figurbetont

Ich glaube ich muss jetzt nicht ausführen, wie ich mich mehrere Abende lang durch das Internet gescrollt habe, auf der Suche nach dem perfekten Schnitt für mein Sommerkleid. Plötzlich stieß ich auf https://sewing.patternreview.com/ auf McCall’s 8091 und die geniale Umsetzung von meggiesews mit den Paspeln. Das war Liebe auf den ersten Blick und so war mein Schnittmuster gefunden

McCall’s 8091 – Ein Kleiderschnitt aus der Hölle?

Quelle: https://www.alfatex.de/

Ich habe schon sehr lange kein McCall’s Schnittmuster mehr vernäht. Das letzte Mal muss vor ungefähr zehn Jahren gewesen sein. Da alle Schnitt-Labels unterschiedliche Eigenheiten haben was die Größentabelle, die Anpassungslinien und die sonstigen Markierungen am Schnitt angeht, war ich schon sehr gespannt.

Eigentlich hasse ich Download-Schnitte, trotzdem habe ich diesen Schnitt als Downloadversion bei https://somethingdelightful.com/m8091 für 12 EUR gekauft.  Der Print-Schnitt ist in Deutschland nur bei Alfatex verfügbar. Eigentlich mal ich den Alfatex Onlineshop, aber 15,49 EUR für diesen Schnitt waren mir dann doch etwas zu teuer und die Wartezeit bis zur Lieferung konnte ich auch nicht abwarten. Ich verlinke lediglich trotzdem darauf, weil ich weiß, dass es noch andere wie mich gibt, die den Papierschnitt dem Download-Schnitt vorziehen.

Nachdem ich die verhasste Arbeit des Druckens, Ausschneidens und Zusammenklebens erledigt hatte, ging es ans Ausmessen. Lt. Der Größentabelle die dabei war, wäre mir Gr.14 schon fast zu klein gewesen – Und das ist die größte Größe die das Schnittmuster mitbringt! Ich zweifelte schon an mir selbst. Hatte ich etwa aus Versehen das Schnittmuster für die Petite-Größen (zierlich) gekauft und ausgeschnitten?

Nachdem der erste Schreck überwunden war, habe ich den Schnitt erstmal ausgemessen. Allein von den Maßen der Teile erschien mir das Ganze schon ziemlich weit. Dabei stellte sich schnell heraus, dass Größe 14 mir viel zu groß sein musste, ich hätte mich eher bei 10 oder 8 eingeordnet.  Also habe ich die Ränder abgeschnitten zur Größe 10 und im Bereich von Taille und Oberkörper auf 8 verschmälert. Nach einem kurzen Probeteil für den Brustbereich stellte ich fest, dass ein Full-Bust-Adjustment nicht notwendig war. Obenrum passte alles perfekt. Den Rocksaum habe ich um 4cm verlängert.

An die Leserinnen mit etwas mehr Holz vor den Hütten (oder besonders wenig): Dieses Kleid ist obenrum definitiv für D und größer ausgelegt! Denkt daran, solltet ihr es mal nachnähen!

Nähen ohne Zwischenanprobe – Ein Abenteuer

Bei diesem Schnitt ist es unglaublich wichtig, dass alle Anpassungen VOR dem Nähen gemacht werden. Die Blenden oben und in der Taille werden am Stück angenäht, die Taschen in den Seitennähten versenkt und die Knopfleiste kommt erst ganz zum Schluss dran. Folge ist, dass man erst ganz am Ende, wenn die Knopfleiste dran ist, wirklich sehen kann wie das Kleid eigentlich sitzt. Das ist aufregend und auch ein bisschen beängstigend!

Der Stoff für dieses Kleid ist übrigens ein Ebay-Fund, den ich bereits vor einigen Jahren gekauft habe. Leider weiß ich weder, woher er kam, noch genau woraus er besteht. Von der Dicke, der Haptik und der Bügelbarkeit würde ich auf Baumwolle tippen.

Nähfuß-Hack: Paspeln annähen OHNE Paspelfuß

Die Paspeldetails von der Review-Seite hatten es mir total angetan und so beschloss ich, auch mein Kleid mit weißen Satin-Paspeln zu versehen. Erst beim Nähen stellte ich fest, dass ich gar keinen Paspelfuß für meine Nähmaschine besitze. Da ich auf die Schnelle auch keinen kaufen konnte, musste ich wohl oder übel improvisieren.  So fand ich eine ziemlich schlaue Lösung:

Paspeln lassen sich auch wunderbar mit dem Füßchen für verdeckte Reißverschlüsse einnähen! Die Paspel war genauso dick wie die Zähnchen bei einem nahtverdeckten Reißverschluss und ich konnte sie so durch die Rille im Fuß durchführen.

Satin Paspelband verarbeiten

Nichtsdestotrotz war das Einnähen der Paspeln in die Nähte eine ganz schön anstrengende und zeitraubende Arbeit.

Oberteil-Upgrade mit Seidenfutter

Im Originalschnitt ist das Kleid ungefüttert. Ich habe meins jedoch mit weißem Seiden-Satin gefüttert. Dies hatte drei Gründe:

  • Seide ist gerade im Sommer einfach angenehm auf der Haut zu tragen
  • Durch das Futter bekommt das Oberteil etwas Stand und sitzt einfach besser
  • Es sieht von innen einfach schöner aus, wenn alles glatt ist und es reibt auch nichts beim Tragen

Für das Futter habe ich das untere Oberteil einfach nochmal zugeschnitten und links auf links auf das Außenteil geheftet. Taillen- und Ausschnittblende werden sowieso doppelt gearbeitet und verdecken dann die Ansätze des Futters.

Seidenfutter fürs Kleid

Knöpfe, Knöpfe, Knöpfe

Den kleinen Monks unter Euch ist es vielleicht schon aufgefallen: Dieses Kleid hat VIEL mehr Knöpfe als im Schnitt angegeben. Tatsächlich habe ich von vorneherein drei Knöpfe mehr eingeplant. Ich hatte bedenken, dass die 7 vorgesehenen Knöpfe ein so figurbetontes Kleid auch wirklich geschlossen halten würden. Und es gibt nichts Hässlicheres als aufklaffende, gespannte Knopfleisten.

Dass das Kleid dann aber 12 Knöpfe hat, ist einem kleinen Fehler meinerseits zu verdanken. Beim Nähen der Knopflöcher habe ich irgendwann am Oberteil versehentlich am oberen Rand der Markierung angefangen, anstatt am Unteren… Und zack! Schon saß ein Knopfloch irgendwie höher als das vorangehende. Da das Auftrennen von Knopflöchern eigentlich unmöglich ist, ohne ein Loch im Stoff zu hinterlassen, habe ich kurzerhand aus dem Fehler ein Design gemacht und bis zur Taille alle Knopflöcher mit dem etwas engeren Abstand gearbeitet.

Sommerkleid mit Hawaiimuster

Bei dem gemusterten Stoff fällt es auch nicht wirklich auf, dass nicht alle Knöpfe einen gleichmäßigen Abstand haben. 😉

Es hat Taschen!

Spätestens seit ich ein Kind habe, will ich kein Kleid mehr ohne Taschen! Ich brauche einfach freie Hände und einen Ort, an dem ich mein Handy verstauen kann, damit ich es nicht ständig verliere. Da passen die großen, aufgesetzten Taschen doch perfekt!

Paspeln einnähen ohne Paspelfuß

Fazit: I will do it again!

Als ich das Kleid dann endlich fertig genäht habe, kam der große Moment der finalen Anprobe: Würde auch alles richtig passen? Mit all den Paspeln und abgesteppten Nähten stand ein Auftrennen und Abändern für mich außer Frage! Also zog ich voller Spannung mein neues Kleid an – Und war begeistert!

Alles passt wie angegossen. Nichts zu eng oder zu weit, die Figurform stimmt und die Taille sitzt an der richtigen Stelle.

Kleid mit Trägern und Knöpfen

 

Einziges kleines Manko ist der Sitz der Träger hinten: Ich habe sie extra so platziert, dass sie meine BH-Träger überdecken sollen. Leider funktioniert das nur bei einem meiner BHs. Bei allen anderen sieht man spätestens wenn ich mich bewege die Träger trotzdem hervorblitzen. Hier muss ich eventuell das Oberteil doch nochmal ein bisschen auftrennen und die Träger hinten ein paar Zentimeter Richtung rückwärtige Mitte schieben.

Sommerkleid mit breiten Trägertn

Trotzdem finde ich den Schnitt wunderschön! Es war spannend, mal aus der Komfortzone rauszugehen und mit einem Schnitt zu arbeiten, der nicht auf Burda oder Gertie basiert. Das Nähen war einfach und hat wirklich viel Spaß gemacht. Ich möchte mir auf jeden Fall noch ein zweites Kleid nach diesem Schnitt machen, nächstes Mal dann mit den süßen, geknoteten Trägern, die ebenfalls als Variante im McCall’s 8091 dabei sind.

An dieser Stelle möchte ich auch nochmal DANKE sagen, an das Team vom MeMadeMittwoch. Es hat mich sehr gefreut, den heutigen Beitrag als Gastbloggerin moderieren zu dürfen und ich freue mich, auf mögliche weitere gemeinsame Projekte. Bis dahin wünsche ich Dir viele schöne, warme Tage und viel Nähfreude bei Deinen Sommer-Nähprojekten.

Tschüsschen,
Eure Lasercat

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