Als ich meinen Kleiderschrank mal wieder ausgemistet habe, traf mich eine überraschende Erkenntis: Meine meistgetragenen Alltagsklamotten sind NICHT selbstgenäht. Da habe ich mich natürlich gefragt: Lohnt sich das echt, so schlichte Alltagsteile selber zu nähen?  

Die Erkenntnis, dass meine Kombiteile aus dem Schrank nicht selbstgenäht und außerdem großteils alt und abgetragen sind, traf mich bereits im letzten Jahr. Als hätte sie es geahnt, startete Stef von Sea of Teal genau eine Woche später ihre SewYourWardrobeBasics Challenge. Da bin ich natürlich direkt aufgesprungen und im Rahmen der Challenge sind letztes Jahr viele tolle, schlichte und kombinierbare Kleidungsstücke entstanden. Trotzdem hatte ich am Ende des Jahres noch so viele Ideen! Deswegen habe ich dieses Jahr auch weiter noch Basics genäht. Nachdem ich sie nun auch fast ein Jahr lang getragen habe, möchte ich dazu gerne hiermit ein kleines Fazit ziehen.

Die meisten meiner Basics sind aus Jersey. Ich bin kein großer Freund davon, Jersey zu nähen. Das Nähen mit Webware und anspruchsvollen Schnitten macht mir einfach mehr Spaß. Trotzdem ist Jersey aus dem Alltag nicht wegzudenken. Das stretchige Material ist nunmal einfach bequem, pflegeleicht und langlebig. Deswegen ist ein Großteil meiner selbstgenähten Basics aus Jersey.

Im Folgenden möchte ich gerne meine (und älteren) selbstgenähten Basic-Teile zeigen:

T-Shirt mit V-Ausschnitt und Kragen

Polotshirt in Vintageoptik

Dieses Shirt ist mein neustes Nähprojekt. Ich mag gerne Basic-Teile, die nicht einfach nur schlicht sind, sondern durch viele kleine Details zu etwas Besonderem werden. Das Besondere an diesem T-Shirt ist natürlich in erster Linie der Schnitt. Der tiefe V-Ausschnitt ist mit einem kleinen Kragen aus Webware versehen, der Look hängt irgendwo zwischen Siebziger-Bluse und Poloshirt. Dazu gibt’s kleine Puffärmel und eine Teilungsnaht unter der Brust. Dadurch lässt sich das Shirt perfekt eng auf Figur schneidern.

Das Schnittmuster stammt aus der Burda Style 08/2007. Ich habe dafür ca. 0,5m Baumwolljersey und einen Streifen schwarzen Batist verwendet.

Als Kombi-Teil passt es perfekt zu sommerlichen Looks mit Röcken oder Hosen, aber kann auch im Winter unter einem Pulli oder Cardigan getragen werden. Ich fand den Schnitt so schön, dass ich ihn gleich nochmal genäht habe, dieses Mal in „fancy“ aus Lurex Glitzerjersey (Mehr darüber findest Du in diesem Beitrag)

Das einfache schwarze T-Shirt

Ein simples schwarzes T-Shirt selber nähen

Als ich meinen Kleiderschrank ausgemistet habe, stellte ich mir die Frage, welches Kleidungsstück ich über’s Jahr hinweg am Häufigsten trage. Gewinner war ganz klar das schwarze T-Shirt. Es passt zu mir und auch zu allem, was ich so habe. Und wenn es kalt ist, kann man es auch unter dem Strickkleid tragen. Wie das eben so ist habe ich diesem Kleidungsstück in den letzten Jahren am wenigsten Aufmerksamkeit geschenkt. Ergebnis war, dass meine schwarzen T-Shirts alle schon total verwaschen waren und teilweise sogar schon Löcher hatten. Also habe ich einige davon aussortiert und gegen ein selbstgenähtes getauscht.

Dieses T-Shirt ist – wie sollte es auch anders sein – mein meistgetragenes selbstgenähtes Kleidungsstück im letzten Jahr gewesen. Dementsprechnd bin ich sehr froh, dass ich einen sehr hochwertigen Baumwolljersey dafür gewählt habe, der sich nicht verzieht und auch nach vielem Waschen immer noch schwarz ist.

Das Schnittmuster für dieses T-Shirt ist der Basisschnitt für Oberteile aus dem Buch „Gertie sews vintage casual“ von Gretchen Hirsch* . Die Ärmel in meiner Speziallänge habe ich selbst dazu entworfen. Wie ich den Schnitt genau genäht und angepasst habe, kannst Du hier nachlesen.

Der schwarze Pencil Skirt

Schwarzer Bleistiftrock mit grüner Bluse

Zugegeben, das ist kein Teil das ich zu einem Spielplatzbesuch mit meiner Tochter anziehen würde. Aber es ist der perfekte Begleiter für’s Home-Office oder Büro. Der schmale Rock aus festem Romanitjersey knittert nicht, ist super bequem zu tragen und lässt sich gut waschen. Die schmale Form sieht elegant aus und durch den elastischen Stoff kann ich die Länge variieren, indem ich ihn mehr oder weniger auf Taille trage.

Der Schnitt für diesen Rock stammt, ebenso wie der vom T-Shirt aus „Gertie sews vintage casual“*

Das Langarmshirt

Basicshirt Lucia Postimage

Nachdem das T-Shirt fertig war, wurde es ziemlich schnell Herbst und ich brauchte etwas Wärmeres. Da kam mir das Probenähen von GialLino gerade recht. Getestet wurde das Basicshirt „Lucia“, ein ganz schlichtes Longsleeve mit mehreren Ärmel- und Weitenvariationen. Ich habe es hier aus ganz dünnem Viskose-Jersey genäht, mit einem eingewebten, dezenten Streifenmuster. Besonders toll an dem Schnitt: Er kommt auch in einer Variante mit Brustabnähern, so dass Damen mit größeren Körbchen kein Fullbust-Adjustment machen müssen. Mir hat der Schnitt auf Anhieb richtig gut gepasst, so dass das erste „Probeteil“ in schwarz direkt in meinem Kleiderschrank gelandet ist.

Der Jeansrock

Jeansrock nach eigenem Schnittmuster selber nähen

Im Gegensatz zum Pencil Skirt macht dieser Rock alles mit. Fahrradfahren, Autofahren, Spazierengehen, da ist alles drin. Er sieht gut aus mit Pumps und Bluse, aber auch mit T-Shirt und Sneakern. Mein selbstgenähter Jeansrock ist eins meiner absoluten Lieblingsteile und er wird mindestens einmal in der Woche getragen.

Bei Jeansröcken hatte ich früher immer das Problem, dass ich nie einen wirklich passenden gefunden habe. Entweder waren sie oben am Bund zu weit, an den Beinen zu eng oder zu kurz. Also habe ich kurzerhand meinen eigenen Schnitt konstruiert. Der Rock ist „kurvig“ geschnitten, das heißt der Bund ist schmal, um den Hintern rum ist genug Stoff und an den Beinen wird er wieder schmaler. Für einen guten Sitz habe ich den Bund extra breit geschnitten, mit zwei Knöpfen. Wie ich das genau gemacht habe, habe ich in diesem Blogpost bereits dokumentiert.

Einziger Wehrmutstropfen ist, dass ich inzwischen so viel abgenommen habe, dass mir der Rock ziemlich auf die Hüfte rutscht. Dadurch ist die „Kurve“ für den Hintern nicht mehr ganz an der richtigen Stelle. Ich werde mir also im Laufe des Jahres einen neuen Jeansrock nähen müssen.

Mehr über diesen Rock und wie er entstanden ist, kannst Du hier nachlesen.

Die schwarze Leggings

Leggings im Bikerlook selber nähen

Ja, Leggings sind schon wieder out und das ist auch gut so. Trotzdem trage ich sie gelegentlich noch gerne und das nicht nur zum Sport. Für’s Homeoffice sind sie einfach eine gute Alternative zur Baumwollhose, sie sind bequem, pflegeleicht und knittern nicht. Ich habe mir im letzten Jahr eine „Jeggings“ genäht, die ein bisschen mehr nach Hose aussieht, so dass ich damit auch mal kurz zum Bäcker gehen kann. Zusammen mit einer Bluse und Pumps sieht sie sogar richtig edel aus.

Das Schnittmuster ist von FeeFeeFashion. Ich habe an dem Schnitt allerdings sehr viel anpassen müssen. Um die Taille herum war mir die Leggings viel zu groß und unten an den Beinen zu kurz. Ich habe also die Form etwas kurviger gestaltet und die Beine ordentlich verlängert.

Links: Die besten Schnittmuster für Basics:

Für gute Basics braucht es nicht viel: Ein paar Grundschnitte, die gut auf die eigene Körperform angepasst sind, reichen völlig aus. Ein Grundschnitt für ein Jersey-Oberteil kann sowohl als Langarmshirt als auch als T-Shirt oder Top genäht werden.

Hier habe ich einige Schnitte und Quellen verlinkt:

Fazit: Lohnt es sich, Basics selbst zu nähen?

Klar ist ein schwarzes T-Shirt nicht das Vorzeige-Nähprojekt. Dafür gibt’s keine Komplimente, um genau zu sein merkt keiner, dass es überhaupt selbst genäht ist. Trotzdem sind meine selbstgenähten Basic-Teile meine absoluten Lieblinge. Ich nähe schließlich für mich und nicht für andere. Außerdem macht es so viel Freude, wenn auch die Kombiteile zu den schicken Röcken und Kleidern richtig gut passen und eben genau so sind, wie ich sie brauche. Klar, ein Basicteil braucht auch Zeit und es ist schnell abgetragen, dadurch dass es ja wöchentlich mit mir im Alltag unterwegs ist. Trotzdem lohnt sich die Mühe. Bei selbstgenähten Sachen kann ich Passform, Länge und Details genau so anpassen wie ich es möchte. Außerdem  habe ich die Möglichkeit, bewusst hochwertige und langlebige Materialien zu wählen, die auch nach vielen Wäschen ihre Farbe und Form behalten.

In meinem Schrank warten noch die ein oder anderen alten Sachen darauf, durch selbstgenähte ersetzt zu werden. Auf meiner „To-Sew“-Liste stehen auf jeden Fall noch:

  • Ein Cardigan, vielleicht auch zwei, in lila und schwarz
  • Ein schwarzes Jerseykleid mit Wickeloptik und vielen interessanten Details. Am besten einmal kurzärmlig und einmal langärmlig
  • Ein neuer Jeansrock (Ich hatte ja oben bereits geschrieben, dass mein alter zu groß geworden ist)

Hast Du auch schon schlichte Basics selbstgenäht? Oder bist du mehr der Typ für schicke, bunte Sachen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

*Bei mir findest Du KEINE Amazon Affiliate Links. Hast Du gewusst, dass durch die Buchpreisbindung die Bücher im lokalen Handel genau das Gleiche kosten wie beim „großen A“? Dein Buchhändler bestellt Dir das Buch gerne und viele liefern es sogar nach Hause. Unterstützte lokale Händler und sorge dafür, dass kein Großkonzern den kompletten Buchhandel in der Welt übernimmt. Unabhängigkeit und Vielfalt sind nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Handel wichtig!

Tschüsschen,
Eure Lasercat

Verlinkt beim MeMadeMittwoch

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2 Comments on Basics selber nähen? Ja, es lohnt sich!

  1. Leider werden Basics wenig gezeigt, das ist schade. Ich finde, sie gehören genauso in unseren Kleiderschrank wie die großen Dinge. Ich nähe auch meine Basics selbst.

    LG, Heike

  2. Sehr schöne Basics! Wobei ich das erste Shirt schon besonders finde 🙂
    Ich nähe gelegentlich welche – schlichte Hosen oder einfarbige Sweatjacken. T-Shirts eher nicht, weil ich da einfach noch welche im Schrank habe, die ich vor vielen Jahren gekauft habe (als ich noch deutlich weniger genäht habe) und die noch tragbar sind. Sprich, da besteht schlicht bisher noch kein Bedarf.
    Ansonsten würde ich einfarbige Standardshirts eher als Resteverwertung nähen, glaube ich – das macht einfach nicht so viel Spaß 😀

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