Hast Du Dir auch schonmal einen Stoff gekauft, der im Geschäft total toll aussah, an Dir aber nicht? Oft merkt man das ja erst, wenn man das fertig genähte Kleidungsstück an hat. Vielleicht hast Du aber auch ein selbstgenähtes Teil in Deiner absoluten Lieblingsfarbe, aber es ist vom vielen Tragen und Waschen schon total ausgeblichen? Beides ist nicht für die Tonne! Denn bestimmte Materialien kann man wunderbar färben. Wie das geht, beschreibe ich in diesem Beitrag.

Ausgeblichen? Da kann man was tun!

Schwarzträger wie ich haben das Problem vermutlich regelmäßig. Schwarz ist nun einmal die Farbe, die am schnellsten ausbleicht. Hier sieht ihr zum Beispiel mein selbstgenähtes Basic Tshirt, nach ein Paar Jahren des Tragens.

Welche Stoffe kann man färben?

  • Baumwolle – Ein Stoff oder ein Kleidungsstück aus 100% Baumwollte lässt sich ohne Probleme färben
  • Wolle – Wollstoffe aus tierischer Wolle
  • Leinen – Reines Naturleinen, bei Leinenmischgewebe hängt es davon ab, ob das Leinen mit Baumwolle, oder Kunstfasern gemischt ist
  • Seide – Echte Seide, also die Nicht-Vegane 🙂
  • Viskose – Laut Internet geht das. Vorrausgesetzt es ist Viskose aus Naturfasern. Hier gibt es sehr viele unterschiedliche Sorten
  • Mischgewebe mit mind. 60% Naturfasern – Ein Baumwollstoff mit 5% Elasthan lässt sich zum Beispiel sehr gut färben

Kann man Stoffe entfärben?
Man kann die alte Farbe bis zu einem gewissen Grad aus dem Material herausziehen, indem man es in Chlorlösung einlegt oder speziellen Entfärber verwendet. Diese chemischen Entfärber greifen allerdings die Fasern des Stoffs und des Garns auch mit an, so dass gerade ein bereits getragenes Teil dadurch noch mehr an Qualität verlieren kann. Ich persönlich würde das nicht empfehlen!

Welche Stoffe kann man nicht färben?

  • Polyester – Dazu zählt auch Polyester-Garn. Ist Dein Kleidungsstück mit Polyester-Garn genäht, werden die Nähte die Farbe nicht annehmen.
  • Nylon – Oft sind Reißverschlüsse, Spitzen- oder Netzeinsätze aus Nylon. Die färben sich dann natürlich auch nicht mit.
  • Acryl, Polyacryl

Welche Farbe nimmt man um Stoff färben zu können?

Simplicol

Die wohl bekannteste Marke für Stofffarben ist Simplicol. Dieses Färbemittel kann man im Drogeriemarkt kaufen, es gibt Simplicol in vielen verschiedenen Farbtönen. Diese Stofffarbe besteht aus einer Flasche mit der eigentlichen Farbe und einem Beutel mit einem Fixiersalz. Beides zusammen packt man mit dem Kleidungsstück in die Waschmaschine und wäscht es bei 40 Grad.

Diese Farbe ist nicht für alle Stoffarten geeignet! Beachte unbedingt die Packungshinweise!

Kreul Textilfarbe

Die habe ich auch schon ausprobiert! Von Kreul gibt es auch tolle Stoff-Malfarben! Diese Farben kann man auch zum Kaltfärben und Batiken verwenden. Dann sind sie allerdings nicht so wasch- und lichtfest wie die Farben, die in der Waschmaschine oder in kochendem Wasser gelöst werden.

Naturfarben aus Hausmitteln

Diese Farben sind absolut bio, aber leider weder lichtecht, noch waschecht. Nach einiger Zeit in der Sonne und ein paar Wäschen verblassen sie wieder. Trotzdem kann es Projekte geben, wo sich das Färben mit Naturfarbe lohnt, zum Beispiel für Makramee-Dekoobjekte, die zuhause hängen, Kissenhüllen oder Einkaufstaschen.

Schon in meinem alten Nähbuch werden als Naturfärbemittel Kaffeesatz, Tee oder Rhabarberwurzelsud empfohlen. Pastellige Töne kann man mit in Wasser eingerührter Eisengallustinte erzielen (Alte Schreibtinte aus Naturmaterialien). Damit kann man Stoffe auch „kalt färben“, also ohne heißes Wasser. Das ist besonders schonend für den Stoff und optimal für ganz empfindliche Naturmaterialien wie Seide. Weitere Naturfärbemittel sind:

  • Zitronen-Gelb: Echte Kamille
  • Dunkles Gelb: Kurkuma
  • Orange: Zwiebelschale
  • Pink: Rotkohl oder Rote Bete
  • Hellgrün: Spinat
  • Blau: Indigo oder Liguster
  • Beige bis Braun: Schwarzer Tee
  • Braun: Kaffee
  • Violett: Holunderbeeren

Quelle, Anleitung und mehr Infos zu natürlichen Färbemitteln: Utopia.de

Natürliche Farbstoffe funktionieren am besten für helle, pastellige Farbtöne. Den einzigen Farbton, den man mit Naturfarben definitiv nicht erreichen kann, ist ein tiefes Schwarz. Dafür braucht es immer syntethische Farbstoffe.

Was musst Du beim Stoff färben beachten?

Auch in Omas Nähbuch aus den 30ern gibt es bereits eine Anleitung zum Färben von Stoffen! Damals passierte das von Hand im Topf – Ansonsten hat sich aber gar nicht so viel verändert. Mit dem Streichholz testet die Dame im Bild übrigens, ob es sich bei ihrem Strickjäckchen um Schaf- oder Baumwoll-Wolle handelt. Je nachdem ob der Faden in der Hitze klumpig wird und komisch riecht oder einfach abbrennt, ist es eben Schafwolle, oder Baumwolle. Heute gibt’s dafür bei gekaufter Kleidung meistens zum Glück ein Etikett. 🙂 Im Bild daneben wird ein gestricktes oder gehäkeltes Kleidungsstück zum Trocknen in alte Handtücher eingerollt und so die Feuchtigkeit herausgepresst. Dann wird es liegend getrocknet. Das ist bei Stricksachen – Insbesondere Selbstgestricktem – wichtig, damit sie sich nicht verziehen.

Die Bilder in diesem Buch sind übrigens nicht in der richtigen Reihenfolge abgebildet. Man sollte natürlich erst die Fasern prüfen (Bild 5), dann die Kleidung abwiegen um die Farbmenge zu bestimmten (3), dann Färben (1 und2) und gestrickte Kleidung dann im Handtuch trocknen (4). Da farbige Bilder in den 1930ern in Büchern sehr selten waren, sind die „Farbseiten“ auf anderem Papier gedruckt und seperat vom Text im Buch gebunden. Im Text wird dann auf die Bilder verwiesen, daher war die richtige Reihenfolge wohl nicht so wichtig 🙂

1. Die Richtige Menge an Farbe bestimmen

Die Menge der benötigten Farbe wird anhand des Gewichts des Kleidungsstücks/Stoffs bestimmt. Also wiege erstmal Dein Kleidungsstück und prüfe dann vor dem Kauf, wie viel Farbe Du benötigst. Etwas zu viel Farbe ist nicht schlimm – Zu wenig Farbe macht das Kleidungsstück allerdings blasser und im schlimmsten Fall fleckig.

2. Kleidungsstück vorher reinigen

Das Färben funktioniert am besten bei einem frisch gewaschenen Kleidungsstück. Auch einen Stoff solltest Du vor dem Färben vorwaschen! Auf Flecken – selbst wenn sie nicht sichtbar sind – haftet die Farbe nicht optimal.

3. Die richtige Farbe auswählen

Leider kann die Stofffarbe nicht zaubern. Helle Stoffe lassen sich immer dunkler färben, dunkle jedoch nicht wieder hell. Je nach Intensität des Grundfarbtons kann die alte Farbe nach dem Färben noch durchschimmern und die neue Farbe einen etwas anderen Farbton bekommen. Färbt man zum Beispiel einen roten Stoff blau, schimmert er ein wenig lila, weil rot und blau einen Lila-Ton ergibt. Versuchst Du einen blauen Stoff gelb zu färben, wird vermutlich grün dabei herauskommen.

4. Das Kleidungsstück vorbereiten

Bei einfachen Kleidungsstücken ohne Futter, Knöpfe und Reißverschlüsse ist das nicht nötig. Omas Nähbuch empfielt, bei Kleidern und Mänteln das Futter vor dem Färben herauszutrennen. Früher wurde das Futter von Hand so eingenäht, dass man es leicht wieder heraustrennen konnte. Da die Kleider nicht so oft gewaschen wurden, hat man alle paar Jahre einfach das Futter getauscht oder eben seperat gewaschen und wieder eingenäht. Auch die Knöpfe werden vor dem Färben abgetrennt, damit nicht unterhalb des Knopfs ein ungefärbter Fleck entsteht. Das ist vor Allem bei größeren Knöpfen, z.B. an Mänteln empfehlenswert.

Wie Kleidung möglichst lang ihre Farbe behält

Wie gut ein Stoff eine Farbe „hält“ hängt natürlich vom Material ab, womit es gefärbt wurde und ob es eine kräftige, dunkle, oder eher helle und pastellige Farbe ist. Kräftige, dunkle Farben waschen und bleichen sich schneller aus. Naturfarbstoffe sind zwar meist sehr nachhaltig, bleichen aber schnell in der Sonne aus. Trotzdem kann man mit der richtigen Textilpflege dafür sorgen, dass die selbstgenähten Kleider möglichst lang ihre schönen Farben behalten.

Kleidung nicht zu oft waschen

Für Einige ist es absolut unvorstellbar, ein Kleidungsstück nach einem Tag nicht sofort bei 40 Grad in die Waschmaschine zu stecken. Leider ist das regelmäßige und heiße Waschen allerdings ein Stoff- und vor Allem ein Farbkiller. Besser ist es, die Kleidung nach dem Tragen – sofern sie noch sauber ist – auszulüften oder mal kurz ins Gefrierfach zu legen, um Bakterien und Gerüche zu entfernen.

Das richtige Waschmittel verwenden

Sogenannte „Voll-“ und „Universalwaschmittel“ enthalten oft Bleichmittel. Deswegen ist es besser, ein „Color“ oder „Feinwaschmittel“ zu verwenden oder für empfindliche Kleidungsstücke direkt auf ein Bio-Waschmittel oder Alternativen wie z.B. Waschnüsse umzusteigen.

Kleidung nicht zu lang in der Sonne hängen lassen

Ich vergesse auch ab und an mal meine Sachen auf der Wäscheleine. Leider ist es für die Farben der Stoffe gar nicht förderlich, wenn sie einen kompletten Tag in der Sonne hängen. Auch Sonnenlicht bleicht die Farben aus. Daher empfehle ich, die Kleidung direkt nach dem Trocknen wieder abzuhängen und aus der Sonne zu nehmen und auch die Kleidung zum Auslüften an einen eher schattigen Ort zu hängen, zum Beispiel auf den Balkon.

Fazit: Lieber Färben als Wegwerfen!

Als Schwarz-Trägerin färbe ich meine schwarzen Kleidungsstücke alle paar Jahre mal mit schwarzer Textilfarbe nach, zum Beispiel mein schwarzes Basic-Tshirt. Das hält nicht ewig, sorgt aber dafür, dass meine schwarzen Kleider und Shirts immer wieder frisch und neu aussehen. Was bunte Farben angeht, so habe ich selbst bislang Stoffe eher mit Stoffarbe bemalt, als komplett gefärbt. Ich könnte mir aber auch vorstellen, mal einen hellblauen Stoff lila zu färben.

Vielen Dank, dass Du diesen Beitrag gelesen hast! Wenn Du Fragen rund ums Stofffärben hast, schreibe mir gerne einen Kommentar.

Liebe Grüße

Deine Lasercat

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