Dein Lieblingsshirt passt nicht mehr? Dann wird es Zeit für ein Refashioning! Ich zeige Dir hier in fünf einfachen Schritten, wie Du ein schickes Sommertop aus einem T-Shirt selbernähen kannst. Diese Nähanleitung ist super easy und auch für Nähanfänger geeignet.
Hast Du auch ungetragene Lieblingsteile in Deinem Kleiderschrank von denen Du dich nicht trennen kannst? Als ich letzthin meinen Schrank ausgemistet habe, entdeckte ich ganz hinten,hinter meinen Pullis einen ganzen Stapel zusammengequetschter T-Shirts, die schon seit Jahren dort herumgammelten. Die meisten davon waren Festivalshirts und beim Auspacken kamen richtig viele schöne Erinnerungen an Camping, gute Musik und meine Freunde hoch. Es hat mich richtig traurig gemacht, diese besonderen Erinnerungsstücke so zerquetscht und unnütz im Schrank zu sehen. Dagegen musste ich etwas tun! Deswegen habe ich beschlossen, ihnen mit ein paar kleinen Updates eine neue Darseinsberechtigung in meiner Garderobe zu schenken. So kam es, dass  Upcycling und Refashioning, also das Aufbereiten oder Umwandeln alter Kleidungsstücke, dieses Jahr ein ganz großes Thema hier auf meinem Blog ist.

Summerbreeze Top

Rückseite meines Summerbreeze Bandshirts

Im meinem letzten Tshirt Refashioning habe ich Dir bereits gezeigt, wie ich mit einem neuen Ausschnitt und kleinen Puffärmeln aus einem Girlieshirt ein Ladyshirt gemacht habe. Heute zeige ich Dir, wie Du aus einem Girleshirt ein ärmelloses Top für den Sommer nähen kannst. Da hier keine Ärmel eingesetzt werden müssen, ist das super schnell und einfach zu bewerkstelligen.

Das brauchst Du für dieses Upcycling

  • Dein altes T-Shirt
  • Nähmaschine mit Jerseynadel und Zwillingsnadel
  • Ca. 40cm schwarzen Uni-Jersey
  • Passendes Nähgarn, 2 Rollen (wg. der Zwillingsnadel)
  • Ein kleiner Rest Vlieseline oder Vlieseline-Nahtband
  • 1-2m Spitzenborte, 1,5cm breit

In 3 Schritten zu Deinem eigenen Schnittmuster

Um das perfekte Schnittmuster für Dein Top zu erstellen, nimm ein Top aus deinem Kleiderschrank, das dir gut passt und übertrage die Form auf ein Papier. Dafür markierst Du dir erstmal die Mitte des Tops, dein Schnittmuster wird nämlich im Stoffbruch zugeschnitten. Danach legst du das Papier an der Mitte an und überträgst die Form darauf.

Ich habe bei meinem Schnittmuster noch eine Anpassung gemacht, um an der Brust noch etwas mehr Weite zu erhalten, indem ich Abnäher eingefügt habe. Wie das funktioniert, zeige ich Dir in einem seperaten Post. Eine Anpassung der Brustweite ist in der Regel nur bei einer Körbchengröße von D oder größer notwendig.

Dann geht es an die Anpassung: Zeichne auch auf Deinem alten T-Shirt die Mitte ein. Dann legst Du das Schnittmuster an der Mittellinie an und prüfst, an welchen Stellen Stoff „fehlt“ um das Schnittmuster auszufüllen

Schnittmuster abppausen für Summerbreezetop

In meinem Fall ist es so, dass ich das Motiv auf meinem Top wesentlich weiter unten platzieren möchte, als es bei dem Tshirt aufgedruckt ist. Deswegen fehlt mir nach oben hin zu den Schultern etwas Stoff. Um den hinzuzufügen, habe ich am Vorderteil eine Teilung über der Brust und am Rückenteil eine Teilung unterhalb der Schultern eingefügt.

Skizze Teilungsnaht beim Upcycling

Ist das T-Shirt an den Seiten zu eng, musst Du auch hier nochmal eine Teilungslinie einzeichnen. Wie das genau funktioniert, zeige ich dir in meinem nächsten Upcycling-Projekt.

Wenn das T-Shirt so wie bei mir um die Brust herum viel zu eng sitzt, kann die fehlende Brustweite durch Abnäher hinzugefügt werden. Das geht natürlich nur, wenn bei dem bestehenden Shirt genug Stoff dafür vorhanden ist. Außerdem verliert das fertige Top durch diese Anpassung an Länge, die Du anderweitig wieder hinzufügen musst.

Zuschnitt

Als nächstes schneidest Du das Vorder- und Rückenteil aus deinem alten T-Shirt aus und die Einsätze aus dem Uni-Jersey. Bitte beachte beim Zuschneiden die Nahtzugaben! Ich verwende bei Jersey immer 1cm an allen Seiten und 2,5cm am Saum.

Ausgeschnittene Teile des alten T-Shirts

Die Verwandlung vom zu kleinen T-Shirt in das perfekt sitzende Top

Der untere Teil des Tops wird jetzt aus dem alten T-Shirt ausgeschnitten und die Abnäher werden übertragen. Den oberen Teil, für den mir der Stoff „fehlt“, habe ich aus schwarzem Jersey zugeschnitten. Beim angesetzten Stoff musst Du darauf achten, dass der neue Jersey die selbe Dicke und Textur hat wie der Stoff von deinem T-Shirt. Bei sehr verwaschenem schwarz empfehle ich, für den angesetzten Teil eine Kontrastfarbe zu verwenden, weil zwei verschiedene Schwarztöne zusammen nicht gut harmonieren. Alles zugeschnitten? Jetzt geht es ans Nähen!

Vorder- und Rückenteil nähen

Vorder und Rückenteile zusammen nähen

Als erstes kommen die Einsätze vorne und hinten an das Top. Diese habe ich mit einem engen, schmalen Zickzackstich angenäht. Die Nahtzugaben habe ich mit der Overlock versäubert und nach unten, also in den T-Shirtteil gebügelt. Damit sie auch dort bleiben habe ich sie nochmal mit einem Geradstich abgesteppt. Dieser Schritt muss nicht unbedingt gemacht werden. Ich empfehle ihn nicht, wenn das Top am Ende sehr eng sitzen soll, da dadurch Dehnbarkeit verloren geht.

Danach habe ich die Abnäher genäht und ebenfalls nach unten gebügelt.

Schulternähte nähen

An den Schultern habe ich den Stoff zusätzlich mit zwei kleinen Streifen Vlieseline verstärkt, da diese Nähte am meisten aushalten müssen, immerhin hängt der ganze Rest vom Top hier an zwei schmalen Streifen Stoff. Durch die Verstärkung verhinderst Du, dass der Jersey sich beim Tragen verzieht. Ich habe zwei Streifen Vlieseline von ca. 2cm auf die Breite der Träger zugeschnitten und von der Innenseite aufgebügelt, sowohl vorne, als auch hinten

Schulternähte mit Vlieselinestreifen verstärken

Danach habe ich die Schulternähte genäht.

Schulternähte des Tops fertig stellen

Sind die Schultern fertig, ist es Zeit für eine erste Anprobe. Zieh dir das Top mal über den Kopf und stecke es an der Seite mit Stecknadeln oder Stoffklammern zusammen. Nun kontrollierst Du, ob der Ausschnitt vorne und hinten richtig sitzt. Da jeder Jersey unterschiedlich elastisch ist, kann es sein dass der Ausschnitt nun etwas anders sitzt, als bei dem Top von dem Du das Schnittmuster abgenommen hast.

  • Sitzt der Ausschnitt zu tief, kannst du über die Schultern nochmal Stoff wegnehmen, sowohl vorne als auch hinten
  • Sitzt der Ausschnitt zu hoch, kannst du am Jersey-Ansatz noch etwas weiter ausschneiden.

Seitennähte nähen

Danach wird das Top an den Seiten zusammen genäht. Dann ist es Zeit für die zweite Anprobe: Jetzt kannst Du nochmal prüfen, ob alles richtig sitzt. Stimmt die Weite? Sitzen die Schulternähte an der richtigen Stelle? Passt die Länge? Wenn alles stimmt, ist es auch schon Zeit das Top zu finalisieren

Arm- und Halsausschnitt nähen

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die Arm- und Hals-Ausschnitte an einem Top oder Shirt zu versäubern. Ich möchte Dir hier mal eine Variante zeigen, die ich bislang noch nie in einer Nähanleitung gesehen habe. Durch die Spitzenborte sehen sie sehr edel aus, sind aber dank Overlock und Zickzackstich nachwievor elastisch.

Spitzenborte an den Halsausschnitt annähen

Dafür habe ich die Ausschnitte erstmal mit der Overlockmaschine versäubert. Das geht auch mit dem Zickzack- oder Overlockstich deiner Nähmaschine, falls Du keine Overlock besitzt. Dann habe ich die Ausschnitte ausgemessen. Damit die Spitzenborte schön anliegt und nicht absteht, habe ich die Maße jeweils mit 0,8 multipliziert,um so die Länge meiner Spitzenbesätze zu erhalten.

Die Spitzenborten werden dann jeweils an den Enden zusammengenäht und die Nahtzugaben ganz flach auseinander gebügelt. Dann wird die Borte an die Ausschnittkanten gesteckt. Dabei wird sie leicht gedehnt. Achte darauf sie gleichmäßig zu dehen, so als würdest Du ein Bündchen annähen. Danach nähst Du sie mit einem großen Zickzackstich auf der rechten Seite fest. Ich habe die Borte so gesteckt, dass etwa 0,5cm am Ausschnittrand überstehen und die versäuberte Naht so verdecken. Wie man auf dem Bild sieht, sorgt die  leicht gedehnte Naht dafür, dass der Jersey des Tops sich in ungetragenem Zustand ganz leicht wellt. Das ist aber gar nicht schlimm. Wenn Du das Shirt trägst

Ganz zum Schluss habe ich dann noch den Saum des Shirts versäubert, 2,5cm eingeschlagen und mit der Zwillingsnadel umgenäht.

Fazit: Ein einfaches Upcycling mit großer Wirkung

Der Sommer kann kommen, ich habe zumindest jetzt was zum Anziehen für die warme Jahreszeit. In dieser Form ziehe ich mein gutes altes Summerbreeze-Shirt auch gerne wieder an. Immerhin passt es jetzt ordentlich um die Brust herum, hat einen schönen, weiten Ausschnitt und die Länge stimmt auch für mich. Mit der Spitzenborte hat das Top außerdem noch einen gewissen Niedlichkeitsfaktor dazu bekommen und das gewisse Etwas.

Das Wichtigste aber ist: Ich habe wieder tolle Erfahrungen gesammelt und was gelernt! Bei meinem letzten T-Shirt Refashioning musste ich am Ende leider feststellen, dass das fertige T-Shirt um die Brust herum doch etwas eng saß. Immerhin hatte sich durch das Ausschneiden aus dem bestehenden T-Shirt ja auch der Brustbereich nach unten verschoben. Deshalb habe ich bei diesem Projekt direkt darauf geachtet, die Brustweite unterzubringen. Die Variante mit den Abnähern hat für mich gut funktioniert. So konnte ich genau die 2cm Mehrweite an der Brust reinholen, die mir gefehlt haben. Da dieses T-Shirt nicht ganz so kurz war und ich den Schulterteil angesetzt habe, hat auch die Länge gut gepasst, ohne dass ich unten Stoff ansetzen musste. Beim nächsten Mal möchte ich gerne mal eine andere Möglichkeit ausprobieren, am Oberteil etwas Mehrweite für Brust und Bauch unterzubringen.

Einziger Kritikpunkt ist für mich der schwarze Jersey, den ich oben als Ansatz verwendet habe.  Er hat zwar fast den Selben Schwarzton wie das T-Shirt, aber eine etwas andere Struktur, weswegen man schon deutlich sieht, dass es ein ganz anderer Stoff ist. Beim nächsten Mal, wenn ich mit so einem stark gerippten und strukturierten Jersey arbeite wie diesem Tshirt-Stoff, werde ich den angesetzten Teil mit Spitze versehen oder den Ansatz mit einer Borte verzieren, so dass der Unterschied zwischen den beiden Stoffen einfach etwas gewollter aussieht.

Festivaloutfit mit Top und Rock

Festivaloutfit von hinten

Zusammenfassung – So nähst Du ein Sommertop aus einem zu kleinen Tshirt:

  • Schnittmuster erstellen
  • Motiv platzieren und Shirt zerschneiden
  • Abnäher nähen
  • Fehlenden Stoff mit schwarzem Jersey ergänzen
  • Schulter und Seitennähte schließen
  • Ausschnittkanten versäubern
  • Spitzenborte umnähen
  • Saum mit der Zwillingsnadel versäubern

Wie findest Du die Anleitung? Ist alles verständlich? Hinterlasse mir doch gerne ein Feedback als Kommentar.

Viel Spaß beim Planen und Upcyceln wünscht Dir
Lasercat

Verlinkt bei Nähfrosch

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1 Comment on Anleitung: Ein Top aus einem Tshirt nähen

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