Aus alt und eng wird bequem und schick – Mit ein paar guten Ideen und meiner Nähmaschine habe ich mein altes Festivalshirt vom Rockharz 2013 wieder zum Leben erweckt. Es passt jetzt nicht nur wieder richtig, es sieht auch noch richtig elegant aus.

„Du trägst gar keine Bandshirts mehr.“ , beschwerte sich mein Mann vor einigen Wochen und sah mich an, als wäre ich jetzt alt und spießig geworden.  Das mit dem „alt“ lässt sich ja nicht leugnen, aber bin ich deshalb nicht mehr cool? Trotzdem, mit den Shirts hat er schon Recht. Mit 20 bin ich sogar im Bandshirt zur Arbeit gegangen bin, jetzt gammeln sie seit Jahren im Schrank herum. Aber warum eigentlich? Warum trage ich meine geliebten Bandshirts nicht mehr? Bin ich etwa doch zu alt dafür geworden?

Im Kopf bin ich natürlich immer nur so alt wie ich mich fühle (Trölf! 🙂 ), der Körper altert aber trotzdem unaufhaltsam vor sich hin. Der sieht nach zehn Jahren und einer Schwangerschaft eben nun einmal anders aus. Ich bin tatsächlich schlanker als noch vor fünf Jahren, habe aber viel mehr Brust und schwächeres Bindegewebe bekommen. Daher sehen meine alten Bandshirts an mir nicht mehr so aus wie früher und ich finde sie inzwischen auch ziemlich unbequem. Außerdem trage ich inzwischen einen ganz anderen Style, in Skinny-Jeans und Girlie-Shirts würde ich mich gar nicht mehr wohlfühlen.

Trotzdem bin ich traurig, weil meine alten Lieblingstshirts nur noch im Schrank liegen. Immerhin verbinde ich mit jedem von ihnen tolle Erinnerungen an geniale Festivals, liebe Freunde und abgefahrene Konzerte. Da musste ich was ändern! Also schnappte ich mir direkt das oberste T-Shirt vom Stapel und habe es wieder tragbar gemacht.

Bandshirt in neuem Look

Rückseite meines Rockharzshirts

5 Gründe, warum ich meine alten Bandshirts nicht mehr trage

Um herauszufinden wie mein Refashion-Shirt aussehen soll, habe ich das alte Shirt als erstes mal angezogen und mir Gedanken darüber gemacht, warum ich es eigentlich nicht mehr anziehe. Einige sind sehr offensichtlich, andere kamen mir erst bei genauerem Nachdenken.

  • Das T-Shirt ist zu eng und zu kurz. Ich trage keine Oberteile mehr, die die Nieren entblößen, wenn ich mich mal kurz hinsetzen muss
  • Die Ärmel sind sehr eng und haben eine sehr unvorteilhafte Länge
  • Der Halsausschnitt ist mir zu hoch und zu eng, ich fühle mich in so engen Ausschnitten einfach nicht wohl
  • Früher habe ich gerne hochgeschlossene Girlieshirts und dazu schwarze Jeans mit Nietengürtel getragen. Heute habe ich aber einen viel feminineren Style. Ich wüsste nicht, zu welchem meiner aktuellen Looks ich so ein kurzes Girlieshirt noch kombinieren sollte
  • Das T-Shirt betont die Vorzüge meines Körpers nicht wirklich. Durch den hohen Ausschnitt wirkt die Brust größer, die Taille verschwindet und durch den kurzen Saumabschluss wird der Fokus auf die Hüfte gelenkt

Meine Skizze zeigt ganz gut den Unterschied in der Passform zwischen dem bestehenden Shirt und dem „neuen“ Shirt. Der klassische „Girle“-Schnitt, der in den 90ern und 2000ern so beliebt war, ist an meiner Körperform eindeutig unvorteilhafter als ein körpernaher T-Shirt-Schnitt mit richtigen Ärmeln und einem weiten Ausschnitt.

Von der alten Passform zur neuen Passform

Ich zeige hier mein erstes T-Shirt Upcycling – Es ist aber nur das erste von vielen. In meinem Schrank warten noch mindestens 10 weitere T-Shirts, die ein neues Leben bekommen sollen! Deshalb entwickle ich für mich meinen eigenen Standard-Schnitt, den ich als Schablone für sämtliche anstehenden Refashion-Projekte verwenden werde.

Als erstes habe ich mir mein Standard-Schnittmuster für gut sitzende T-Shirts herausgesucht. Den Schnitt habe ich aus den besten Bestandteilen gut sitzender, gekaufter T-Shirts und meiner Lieblingsschnittmuster konstruiert.

  • Der Schnitt enthält bereits ein Full Bust Adjustment: Um die Brust herum ist also genug Platz für ein D-Körbchen
  • Die Länge ist auf meine Körpergröße abgestimmt
  • Taille und Bauchumfang sind angepasst
  • Die Ärmel haben für mich die richtige Länge

Auf den richtigen Ausschnitt kommt es an

Damit das Motiv auch beim neuen T-Shirt mittig ist, habe ich erstmal die Mitte des Drucks auf dem alten Tshirt markiert. Dort habe ich dann das Schnittmuster angelegt und so lange nach oben und unten verschoben, bis das Motiv an einer passenden Stelle war. Dann habe ich das gute alte Stück zerschnitten.

Neue Ärmel braucht das Teil

Da mein altes Shirt sowieso schon recht klein war, hatte ich natürlich nach dem Ausschneiden nicht mehr genug Stoff für neue Ärmel übrig. Abgesehen davon hat mir die alte Ärmelform ja sowieso nicht mehr gefallen.

Deswegen habe ich für das neue T-Shirt auch neue Ärmel konstruiert. Ich habe mir aus grauem Jersey kleine Puffärmel genäht und einen Bund aus schwarzem Jersey daran angesetzt. Die Puffärmel mit dem Kontrast-Abschluss geben dem Shirt einen „Blusen“-Look und verwandeln es so vom schlicht-sportlichen Look zu einem süßen und damenhaften Style.

Detail: Puffärmel aus Jersey

Komm‘ an mein Herz

Den Ausschnitt des T-Shirts habe ich mit einem schwarzen Jerseystreifen eingefasst. Da von dem T-Shirtstoff nicht mehr viel übrig war, habe ich dafür auf den Stoff eines anderen alten Shirts, das ähnlich verwaschen ist, zurückgegriffen, um ungefähr den gleichen Schwarzton zu erhalten.

Derzeit haben herzförmige Ausschnitte es mir total angetan! Sie zeigen Decolté, aber ohne zu viel preis zu geben, sie sind bequem zu tragen und gehen für alle Anlässe. Der Ausschnitt dieses T-Shirts ist eigentlich rund, die Herzform entsteht durch drei kleine Falten, die auf Brusthöhe angebracht sind. Dadurch sieht die Spitze des Herzchens aus wie eine kleine Raffung.

Herzförmiger Ausschnitt

Zitat: Inspiriert zu dieser Technik hat mich übrigens „Gertie sews vintage casual“ , mein absolutes Lieblings-Nähbuch. Dort findest Du viele tolle Ideen, wie Du mit ganz einfachen Techniken der Alltagskleidung einen süßen Retro-Touch verpassen kannst.

Fazit: Ich trage sehr wohl noch Metalshirts

Und einige davon sind sogar schon zehn Jahre alt! Dieses Shirt sitzt jetzt wunderbar, ich finde es bequem und fühle mich wieder sehr wohl darin. Mit dem herzförmigen, femininen Ausschnitt und den leichten Puffärmeln in Kontrastfarben passt es sehr gut zu meinem aktuellen, Vintage-inspirierten Style und lässt sich außerdem auch gut zu eleganteren Outfits kombinieren. Auch die Länge ist für mich jetzt wieder super zu tragen, egal ob ich es in die Hose stecke oder einfach locker darüber trage.

Rockharz Festival Outfit

Seitenansicht des T-Shirts

Ich trage es aber am liebsten im Alltag, ganz leger zur Jeanshose oder zum Jeansrock, im Sommer eventuell auch zur Shorts. Jetzt im Winter ist es natürlich noch zu kalt, um kurzärmlig unterwegs zu sein, daher trage ich es bis zum Frühling erstmal nur mit Cardigan und Schal.

Was ich beim nächsten Mal verbessern werde:

  • Das Shirt passt gut, könnte aber über der Brust noch etwas Weite vertragen. Für mein nächstes Upcycling muss ich eine Lösung finden, wie ich die Mehrweite der Brust unterbringen kann. Womöglich brauche ich Abnäher oder Einsätze?`
  • Inzwischen bin ich richtig perfektionistisch geworden, was die Innenseiten meiner selbstgenähten Sachen angeht. Deswegen bekommt mein nächster T-Shirt Ausschnitt ein Neckband innen, einfach nur weil es schöner aussieht als die offene Overlock-Naht

Zusammenfassung – So upcycelst Du dein altes T-Shirt

  • Analyse: Warum passt das Shirt nicht richtig?
  • Basisschnitt für neues Shirt erstellen oder finden
  • Motiv ausschneiden
  • Einsätze anfertigen und neue Ärmel anfertigen
  • Alles zusammennähen und die Kanten versäubern

Wie würdest DU ein altes T-Shirt wieder tragbar machen? Schreib‘ mir gerne einen Kommentar, ich freue mich sehr über deine Ideen und Vorschläge.

Velinkt bei Nähfrosch

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