Kategorie: Tipps & Tricks

Ich habe zum ersten Mal einen Fascinator genäht!

Mein lila Partykleid hat mich im letzten Monat hochgradig frustriert. Es wollte nicht richtig passen und ich hatte keine Lust mehr, daran weiter zu tüfteln.
Während ich das Nähen des Kleides vor mir herschob, kamen mir die besten Ideen für andere, interessantere Nähprojekte. So entstand auch die Idee, mir ein passendes Headpiece zum Kleid zu nähen. dazu zu nähen. Daraus entstand dann der passende lila Fascinator, mein erster selbstgenähter „Hut“

Ein Hütchen in Ehren…

Es gab einmal eine Zeit, da wäre eine Dame ohne Hut niemals vor die Tür gegangen. Der Hut gehörte zu jedem Outfit genauso dazu wie die Unterhose.
So kam es, dass mir in den letzten Jahren zusammen mit den Schnittmustern auch viele Hutdesigns begegneten. Mein ältestes Nähbuch aus den Dreißigerjahren enthält sogar ein ganzes Kapitel darüber, wie man Hüte selber macht.
Und während ich mir das so durchlas, bekam ich Lust, das auch mal auszuprobieren…

Einen Hut zu machen ist aber keine Kleinigkeit. Das erfordert viel Materialwissen, handwerkliches Geschick und Ausrüstung. Nicht umsonst ist die Hutmacherei ein eigener Ausbildungsberuf („ModistIN“ genannt).
Dennoch wollte ich es einmal versuchen und beschloss, mit etwas Kleinem anzufangen. Ein „Hütchen“ sollte es also werden, eher dekorativer Kopfschmuck als Kopfbedeckung. Und so beschloss ich, mit meinen ersten Fascinator zu nähen.

Wie kann man einen Fascinator nähen?

Ich habe noch nie einen Fascinator besessen, geschweige denn genäht. Deswegen habe ich mich erstmal bei YouTube schlau gemacht, wie so ein Hütchen eigentlich aufgebaut ist und welche Möglichkeiten es gibt, eins zu nähen. Dabei bin ich unter anderem auf diese zwei großartigen Tutorials von LittleAntiqueMe und Pose gestoßen.

Wie man daran sieht gibt es schonmal mehrere unterschiedliche Ansätze, einen Minihut zu konstruieren. Trotzdem wollte ich mehr wissen und suchte noch weiter im Web nach Anleitungen. Dabei stieß ich auf diese hier von ProfessorPincushion, in der ein Filzhütchen mithilfe eines Korsettstabs seine Form bekommt.
Diese Variante kam mir sehr gelegen, da ich von meinem letzten Corsagenprojekt (Beitrag folgt ganz bald), noch ein Stück Sprialstab übrig hatte.

Video mit Anleitung für einen Fascinator mit Korsagenstab

Mit dieser Anleitung kam auch direkt ein Grundschnitt dazu, den ich abwandeln konnte.

Das Material:

  • 20×40 cm Stoff (Ich habe hier den von meinem lila Abendkleid verwendet). Für die Unterseite habe ich ein Stück schwarzen Baumwollstoff verwendet
  • Passendes Schrägband, schwarz, ca 40-50cm
  • Vlieseline  S 320 Bügeleinlage
  • 15cm Krinolinestab
  • Tunnelband für den Stab oder Schrägband

So ist der Fascinator entstanden

Zuerst habe ich den Grundschnitt etwas verändert. Mein Fascinator ist etwas „eiförmiger“ als der ursprüngliche Grundschnitt und ein paar cm kleiner.

  1. Bügeneinlage aufbügeln und Tunnelband auf den unteren Teil des Hütchens aufnähen

An dieser Stelle habe ich direkt auch unten am Hütchen noch zwei Streifen Satinband aufgenäht. Dort fädle ich dann später die Klammern ein, mit denen ich den Fascinator auf meinem Haar feststecke
2. Korsagenstab einfädeln und die beiden Teile des Hütchens zusammenheften

Fascinator nähen mit Korsagenstab

Da mein Fascinator ja ursprünglich mal nur ein „erster Versuch“ war, habe ich mir die Endkappen für den Stab gespart und die Enden einfach mit Tape umwickelt. Da der Stab ja innen liegt, ist das komplett unsichtbar. Grundsätzlich lässt sich das auch bei Corsagen von Kleidern machen, da hier die Stäbe aber beim Tragen ständig in Bewegung sind, würde ich es nicht empfehlen. Da ist die Gefahr zu groß, dass der Stoff durchscheuert.


3. Ränder mit Schrägband einfassen

Das Schrägband selbst habe ich mit der Nähmaschine angenäht, aber das überlappende Ende ausgelassen. Damit dieses sauber anliegt und nicht verrutscht, habe ich es von Hand festgenäht.


4. Federn, Schleife und sonstige Deko aufkleben

„Welcher Kleber ist der Richtige für dieses Material?“, fragte ich mich und begann zu experimentieren: Nachdem ich mich zuerst mit Stoff- und Sekundenkleber versucht hatte fiel mir ein, dass ich ja auch eine Heißklebepistole besitze. Mit der hat das Aufkleben dann einwandfrei funktioniert.

Fazit: Mein erster selbstgenähter Fascinator

Ich kann mir nicht helfen – ich liebe dieses Hütchen einfach! Dieses Headpiece hat mein „Hochzeitsparty“-Outfit komplett gemacht. Jedes Kleid sieht direkt eleganter aus mit dem passenden Hut. Von einem „Hut“ kann zwar noch lange keine Rede sein, aber es ist ein Anfang.

Dabei war er super einfach zu nähen bzw. zu basteln. Bei der Hochzeit waren schwarze Schleier nicht im Dresscode erlaubt, aber ich möchte mich für den Fascinator unbedingt noch einen kleinen schwarzen Tüllschleier nähen. Beim nächsten Party-Event trage ich ihn dann wieder. 🙂

Der Fascinator war schon einige Wochen fertig, da habe ich – ganz kurz vor knapp – dann schließlich auch das Kleid noch geschafft. Wie das Kleid entstanden ist, kannst Du hier im dazugehörigen Blogbeitrag nachlesen.

Du möchtest Dir auch einen Fascinator nähen? Dann schreib‘ mir doch gerne einen Kommentar! Ich bin gespannt auf Deine Ideen und Ergebnisse.

Deine
Lasercat

Fünfzigerjahre Schnittmuster nähen – Meine Tipps und Erfahrungwerte

Die aktuelle Mode wimmelt ja von „saggy“, „baggy“, Jogginghosen und Schlabberpullis. Je mehr ich davon in der Modewelt im letzten Jahr sehen musste, desto mehr hat es mich modisch in die Vergangenheit verschlagen. Und so entstand, unter anderem dank Gertie’s Nähbücher – bei mir eine ganz neue Begeisterung für die Mode der Vierziger und Fünfzigerjahre. Taillierte Schnitte, Feminine Kleider, edle (nicht-elastische) Stoffe, alte Nähtechniken und hohe Schneiderkunst beim Anpassen dieser Stoffe auf den eigenen Körper. All das finde ich so faszinierend, dass ich natürlich auch irgendwann mal nach Original Nähanleitungen und Schnitten nähen wollte. Also begann ich, alte Nähbücher und Schnittmuster zu sammeln.
(mehr …)

Kleidung nähen aus Dekostoffen

Nähen mit Dekostoffen

Letzte Woche habe ich einen Beitrag zu meinem #Weihnachtskleid 2020 gepostet, das ich aus einem billigen Baumarkt-Dekostoff genäht habe. Das Nähen von Kleidung aus Dekostoffen gehört zu den Dingen, die von vielen amibitonierten Hobbyschneider/innen vollkommen verteufelt werden. Aber ich finde, in der Mode ist alles erlaubt. Solange man es anziehen kann, kann man es auch vernähen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Deswegen möchte ich in diesem Post zusammenfassen, was man beim Nähen mit den klassischen Dekostoffen beachten sollte.

(mehr …)

Schnittmuster aufbewahren und organisieren

In meinen vielen Social Media Nähgruppen lese ich öfters die Frage, wie man Schnittmuster eigentlich optimal aufbewahren kann. Wenn man erstmal einige Jahre näht, sammeln sich irgendwann wahre Massen von Papierschnitten. Egal ob man sie ausdruckt oder abpaust, in der Regel werden die Schnitte ja nach dem Nähen nicht einfach weggeworfen – Man könnte sie ja mal wieder gebrauchen. Und so liegt bei dem einen ein fetter Papierstapel in der Ecke, bei anderen quillt die Schublade über.

Ich habe Ende letzten Jahres mein Nähzimmer in einen anderen Raum umgezogen und die Gelegenheit genutzt, meine Schnittmuster auszusortieren und neu zu organisieren. Daher habe ich mir einige Gedanken gemacht, wie ich das am besten bewerkstellige. Außerdem möchte ich gerne meine bisherigen Erfahrungen mit der Aufbewahrung von Schnittmustern mit euch teilen und einige Möglichkeiten vorstellen, zusammen mit ihren Vor- und Nachteilen.
(mehr …)

Nähtipp: Was ist eigentlich „Einhalten“?

Ärmel einhalten Nähtechnik

Früher habe ich „einhalten“ sehr oft als Anweisung in den Anleitungen von Burdastyle gelesen. In den letzten Jahren findet sich ein expliziter Hinweis auf diese Technik nur noch selten. Gerade bei Schnittmustern der großen, bekannten Verlage wird oft sogar vorrausgesetzt, dass man als mehr oder weniger erfahrene Hobbyschneiderin schon genau weiß, wann ein Teil eingehalten angenäht werden muss. Aber was ist das eigentlich, dieses „einhalten“? Und wie geht das?
(mehr …)