Die am häufigsten gestellte Frage meiner LeserInnen ist: „Wo bekomme ich dieses Schnittmuster?“ Und entsprechend groß ist die Enttäuschung wenn ich ihnen dann sagen muss, dass es diesem Originalschnitt aus den Fünfzigerjahren schon sehr lange nicht mehr zu kaufen gibt. Die meisten meiner Schnitte stammen aus alten Nähmagazinen, die man nur noch selten und wenn dann recht teuer über Ebay oder Aniquariate beziehen kann. Der Frust meiner LeserInnen macht auch mich traurig, weswegen ich mit diesem Projekt mal eine ganz neue Richtung eingeschlagen habe: Ich nähe ein Vintagetop, nach einer Original Anleitung aus den 1950er Jahren, ganz ohne Schnittmuster!

Und hier ist sie: Die Vintagebluse ohne Schnittmuster! Gefunden habe ich diese Anleitung aus den bei Pinterest. Sie stammt wohl aus einem Lifestyle-Magazin der späten Vierziger oder frühen Fünfzigerjahre. Nachdem ich nach kurzer Recherche absolut nicht herausfinden konnte, woher genau und aus welchem Jahr diese Anleitung stammt, habe ich die Recherche kurzerhand aufgegeben und mich dem Nähen gewidmet.

Die Anleitung ist keineswegs neu – Klar, es gibt sie ja schon seit den Vierzigern! 🙂 Deswegen haben sich auch schon so einige Blogger daran versucht, mit mehr oder weniger guten Ergebnissen. Diese möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten, denn sie sind eine tolle Inspirationsquelle. Diese Bloggerinnen haben sich auch bereits daran versucht, das Wickel Top ohne Schnittmuster zu nähen:

Das Material: Aus welchem Stoff lässt sich das Top nähen?

Wie man an den oben verlinkten Beispielen sieht, kommen eine Menge Materialien dafür in Frage. Von fester Baumwolle bis hin zu Seide geht eigentlich alles, was schön weich fällt und auch doppellagig nicht zu sehr aufträgt. Ist der Stoff zu steif, stehen die „Ärmel“ später unschön ab und ist er zu dick, trägt das Bindeband in der Taille unschön auf.

Da ich das Ganze erstmal nur testen wollte, habe ich mir als Probeteil einen uralten und ziemlich billigen Polyester-Crepe ausgesucht. Sollte mir dieser Schnitt gelingen, wollte ich ihn nochmal in Seide oder einem schönen Chiffon umsetzen.

Wie wird der Schnitt konstruiert?

Es ist ein Rechteck mit 4 Bändern und einem Loch in der Mitte – So einfach, so gut.

Auf den ersten Blick braucht man für dieses Top nicht viel: Außer den Maßen. Grundvorraussetzung zum Nähen des Rechtecks ist nämlich zu wissen, wie groß das Rechteck überhaupt sein muss. Ein Blog, das ich bei meiner Recherche entdeckt hatte, empfahl eine Größe von 100x50cm. Nachdem ich mir aber erstmal ein Stück Stoff auf diese Größe gefaltet hatte, kam mir das sehr schmal und sehr kurz vor. Also habe ich kurzerhand eine gut sitzende Bluse mit Kimonoärmeln genommen und mal nachgemessen, wie die in der fertigen Breite herauskommt.

Bei mir ergab sich daraus eine Breite von 60cm. Dann habe ich mich selbst von der Schulter bis zur Taille gemessen und kam hier auf 55cm.

Somit sind die Maße meiner Schnittteile:

  • Rechteck: 110x60cm
  • Bindebänder: 16x110cm , 2x (Das fertige Band hat eine Breite von 8cm)
  • Für die hinteren, „unteren“ Bindebänder habe ich einfach 2x 30cm Satinband verwendet. Da man die nicht sieht, ist es am Besten dafür ein möglichst dünnes Band zu verwenden.

Zu diesen Maßen kommt noch jeweils eine Nahtzugabe von 1cm hinzu

Quelle: http://images.google.com/hosted/life/774232ae709cdc3b.html

Wie wird der Halsausschnitt genäht?

In den Beispielen aus den anderen Blogs haben die Damen dort jeweils ganz unterschiedliche Halsausschnitte genäht. Einer war rund, einer war eckig, einer mit Schrägband eingefasst. Was mir direkt aber auffiel war, dass keine dieser Damen den Schlitzausschnitt aus dem Original nachgenäht hat. Warum?

Vermutlich, weil er mit einlagigem Stoff gar nicht so einfach zu nähen ist. Um einen Schlitz wirklich sauber zu arbeiten, braucht es nämlich einen Beleg, also einen Stoffteil der nach innen geklappt wird. Dazu braucht es eine Bügeleinlage, damit der Ausschnitt rund um den Schlitz in Form bleibt. Ein Beleg für den Halsausschnitt zu konstruieren ist nicht weiter schwer. Das Problem dabei ist nur, dass man den bei dünnen und fließenden Stoffen einfach durchsehen würde.

Beim Ausschnitt war ich tatsächlich auch etwas unschlüssig. Den eigentlichen Halsausschnitt habe ich etwas zu weit ausgeschnitten und dann noch einen Schlitz hinzugefügt. Da es sich bei meiner Bluse hier nur um ein Probeteil gehandelt hat, habe ich Schlitz und Ausschnitt einfach schmal doppelt eigeschlagen und mit der Maschine umgenäht. Das ist sicher nicht die schönste Lösung, aber es sieht halbwegs gut aus. Da mein Schlitz nun aber nicht verstärkt ist, würden die oberen Kanten einfach nach vorne sacken. Deswegen habe ich ihn oben zusammengenäht und noch einen kleinen Zierknopf darauf gesetzt.

Fazit: Strandbegleiter und Lust auf mehr (oder Meer?)

Vintage Bluse nähen ohne Schnittmuster aus Krepp
Top ohne Schnittmuster nähen

Ich war ja eigentlich gerade erst im Urlaub, aber ich könnte direkt wieder ans Meer fahren. Das passende Strandtop habe ich mir jedenfalls gerade genäht. Als Probeteil ist meine erstes „Vintage Top ohne Schnittmuster“ richtig gut gelungen.

Ein Alltagsteil wird sie aber wohl trotzdem nicht werden. Das Schwarz des Kreppstoffs ist eher grau und sieht über einem schwarzen Top so wie auf meinem Bild nicht so richtig gut aus. Außerdem bräuche es ein Oberteil mit passendem V-Ausschnitt darunter. Vielleicht versuche ich es beim nächsten Mal mit einem Tube-Top?

Perfekt ist die Bluse allerdings um sie auf dem Weg zum Strand – oder eben auch ins Freibad – über dem Bikini zu tragen. Sie ist leicht, schnell an- und auszuziehen und trotzdem ist man damit halbwegs „angezogen“. Vielleicht findet sich ja aber auch noch das ein oder andere Teil in meinem Kleiderschrank, zu dem die Bluse passt… Wer weiß? Vielleicht der schwarze Bleistiftrock?

Quelle: Madameturbulante

Der Dame auf dem Foto ging es wohl auch so wie mir – Nach der ersten Wickelbluse hatte sie Lust auf mehr und hat sich direkt noch eine aus einem gemusterten Stoff genäht. Und genau das werde ich auf jeden Fall auch tun. Während ich dies hier schreibe, ist bereits die nächste Bluse in Arbeit.

Bis dahin
Lasercat

 

Bluse ohne Schnittmuster nähen nach Fünfziger Anleitung

Verlinkt bei Nähfrosch

close

Nähsüchtig?

Macht nichts, ich auch! Mit meinem Newsletter bleibst Du über aktuelle Posts auf meinem Blog auf dem Laufenden und erhälst einmal im Monat mein geballtes Nähwissen in Form meines exklusiven Monatsreviews!

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

2 Comments on Vintage Top ohne Schnittmuster nähen – Mein erster Versuch

  1. Hallo Theresia
    Ein superschönes Teil! Es freut mich, dass du uns an deinen Nähschritten teilhaben lässt. Für mich ist es ermutigend zu sehen, dass auch bei dir nicht immer alles auf Anhieb klappt.
    Liebe Grüsse
    Maggie

    • Hallo Maggie,
      lieben Dank für Deinen Kommentar! Es wäre ja langweilig, wenn immer alles glattgehen würde. Nähen ist ein lebenslanger Lernprozess 🙂 Zumindest wenn man immer wieder was Neues ausprobiert.
      LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.